Der Speiseplan ist Abbild der Persönlichkeit

Wer eine höhere Ausbildung und genügend finanzielle Mittel hat, ernährt sich in der Regel gesünder. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensmittelproduktion" (NFP 69) durchgeführt wurde. Es ist das erste Mal, dass umfassende Resultate über das Ernährungsverhalten der Schweizer Bevölkerung vorliegen.

​Persönlichkeit und Lebensstil sind entscheidend für unser Essverhalten. Wie genau sich persönliche Faktoren auf die Ernährung auswirken, untersuchte die Forschungsgruppe von Pedro Marques-Vidal im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms "Gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensmittelproduktion" (NFP 69). Eine grundlegende Erkenntnis der wissenschaftlichen Studie lautet: Bildung und genügend finanzielle Mittel sind ausschlaggebend für eine gute Ernährung. "Wer eine höhere Ausbildung hat, versteht die Botschaften der Prävention in der Regel besser", erklärt Pedro Marques-Vidal. Ebenso wichtig sind die finanziellen Verhältnisse, denn gesunde Nahrungsmittel wie Früchte, Gemüse und Fisch sind vergleichsweise teuer. Zucker- und fetthaltige Esswaren kosten hingegen oft wenig. Ein tiefes Einkommen hindert deshalb viele Menschen daran, sich gesunde zu ernähren.

Gesunde Küche aus dem Süden

Es gibt aber Ausnahmen. Unabhängig von ihrem sozioökonomischen Status ernähren sich Menschen aus südeuropäischen Ländern wie Spanien, Portugal oder Italien auch in der Schweiz meist gesünder, wie die Studie zeigt. "Viele Eingewanderte halten an der mediterranen Küche mit vielen Früchten, Gemüse und Fisch fest", führt Marques-Vidal aus. Mit der Zeit passen sie sich aber immer mehr dem schweizerischen Ernährungsmuster an und essen beispielsweise mehr Fleisch. Wie schnell sich Einwanderergruppen anpassen, hängt laut dem Mediziner vom Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV) mitunter vom Grad der kulturellen Unterschiede ab. "Menschen aus Frankreich oder Deutschland übernehmen die Schweizer Ernährung rascher als jemand, der aus China stammt." Wie schnell neue Muster übernommen werden, hängt aber nicht zuletzt vom Willen zur Integration ab.

Paare essen gesünder

Die Studie wies nach, dass der Lebensstil die Ernährungsgewohnheiten beeinflusst. Raucher, Übergewichtige und Personen, die viel im Sitzen arbeiten, ernähren sich häufig ungesünder. Hingegen legen Menschen in einer Partnerschaft, Frauen und ältere Leute tendenziell mehr Wert auf eine gesunde Ernährung. Pedro Marques-Vidal vermutet, dass Frauen und Paare beim Kochen häufiger auf die Gesundheit ihrer Familie Rücksicht nehmen. Ausserdem spielt es eine Rolle, wie viel Zeit der Nahrungszubereitung gewidmet wird: "Je mehr Zeit für das Kochen verwendet wird, desto mehr achtet eine Person darauf, was gesund ist", so der Wissenschaftler. "Ältere Menschen sind sich gewohnt, ihre Gerichte selber zuzubereiten. Im Gegensatz zu vielen Jungen, die häufiger Fertig- oder Take-Away-Gerichte konsumieren, die nicht sehr ausgewogen sind."

Im Rahmen der CoLaus-Studie befragten die Forschenden für ihre Arbeit über 4000 Einwohner aus Lausanne zu ihren Ernährungsgewohnheiten. Es ist schweizweit das erste Mal, dass die Auswirkungen von Lebensstil und anderen persönlichen Faktoren auf das Ernährungsverhalten wissenschaftlich untersucht wurden. Weitere Analysen sind geplant.

P. Marques-Vidal, G. Waeber., P. Vollenweider, M. Bochud, S. Stringhini, I. Guessous (2015) Sociodemographic and Behavioural Determinants of a Healthy Diet in Switzerland. Annals of Nutrition and Metabolism online: doi:10.1159/000437393